Produktives Stadtquartier Winnenden
Wir freuen uns, euch unseren Wettbewerbsbeitrag für die Internationale Bauausstellung 2027 (IBA'27) des produktiven Stadtquartiers Winnenden vorstellen zu dürfen.
Das neue produktive Stadtquartier fügt sich städtebaulich als natürliches Verknüpfungselement in den bestehenden, heterogenen Kontext ein. Im Norden orientiert sich die städtebauliche Struktur an den kompakten Körpern der benachbarten Gewerbeflächen und Zufahrtsstraßen, während Lärmerzeugung, Dichte und Höhe in Richtung Südwesten graduell abnehmen und sich das Quartier dem landschaftlichen Ausblick ins Bachtal öffnet. Das “Quartiers Start-Up” als Gesicht und Anschlusspunkt zur Winnenden Innenstadt und das “Experimentelle Fablab” als Entreegebäude an der Bundesstraße bilden einzelne Hochpunkte, die in Anlehnung an den Schwaikheimer Torturm dem Quartier als Orientierungspunkt dienen. Zwei Haupterschließungsachsen entlang der Höhenlinien unterteilen das Quartier in drei Teilareale unterschiedlicher Durchmischungen und Gebäudetypologien. Die einzelnen Baufelder innerhalb dieser Teilareale schaffen mit einer eigenständigen Form, Gebäudetypologien und klar definierten Raumkanten qualitätsvolle Innen-und Außenräume und ermöglichen unterschiedliche Unterteilungen und entsprechend flexible Investitionsmöglichkeiten.
Teilareal 1 “Transparente Vertikale Produktion”
In dem nördlichen Teilareal konzentrieren sich Produktions-, Labor, Büroräume und Gewächshäuser in vertikal organisierten Produktionsstätten und führen so Produktion, Forschung und Entwicklung in hoher Dichte zusammen. Doppelte Geschosshöhen schaffen flexibel nutzbare Gewerbe- und Produktionsräume. Transparente Ost- und Westfassaden fördern natürliche Belichtung und Sichtbarkeit der Produktion und kreieren so einen neuen Begegnungsraum zwischen benachbarten Firmen. Dadurch entsteht ein Netzwerk von Beziehungen, Ideen, Lernmöglichkeiten, das nachhaltig über die Zeit aufgebaut und gepflegt werden kann. Die produktive und freizeitliche Nutzung des Dachs kreiert zusätzliche energetische, programmatische und urbane Synergieeffekte.
Teilareal 2 “Cluster Areal”
Im mittleren Teilareal vermengen sich in einem städtischen Schmelztiegel gleich unterschiedlichste Nutzungen und Typologien aus individuellen Produktions- und Dienstleistungsräumen, gemeinschaftlich genutzten Flächen für Maschinen und Büroinfrastruktur sowie kostengünstigem Wohnungsraum. Sie wirken als Mediator und schirmen das geräuschsensitive urbane Wohnen auf der südlichen Seite vor unliebsamen Einwirkungen der geräuschintensiven vertikalen Produktion im Norden ab. Die parallel angeordneten, effizienten und kompakten Baukörper werden durch ein großflächiges und flexibel unterteilbares Sockelgeschoss für Kleingewerbe, Ateliers und Werkstätten zusammengehalten. Der Zwischenraum bietet außenliegende hochwertige Grünflächen, Innenhöfe und den Bezug der Gewerbenutzer zu natürlicher Belichtung und dem öffentlichen Raum. Überhohe Geschosseinheiten ermöglichen flexible Nachnutzungen und inhaltliche Umnutzungen durch Nachrüstung mittels Zwischengeschosse.
Teilareal 3 „Urbanes Wohnen“
Im südlichen Teilareal werden urbanes Wohnen, Arbeiten und gemeinschaftliche Funktionen an einem Netz von intimen Höfen, Plätzen und Gassen entlang eines Boulevards den unterschiedlichen Gebäudetypen zugeordnet. So entsteht ein neuer kleinteiliger Maßstab, der das Quartier mit dem südlich angrenzenden Mischgebiet und ländlichen Raum verzahnt.
Erschließung
Es ergibt sich ein übergeordnetes Raumgerüst mit öffentlichen Wegen, aktiven terrassierten Dachflächen, Vorzonen, ruhigen Höfen und querenden Gassen, wie es in der Winnenden Innenstadt vielfach anzutreffen ist und das dem Stadtquartier die notwendigen sozialräumlichen Differenzierungen innerhalb der Teilareale verleiht. Der MIV hat einen stark begrenzten aber effizienten Zugang zum Quartier. Die Anlieferung durch große LKW für den ersten Teilbereich der vertikalen Produktion im Norden erfolgt ausschließlich über die Peripherie der Marbacher Straße mit direktem Anschluss an die Bundesstraße B14. Kleinere Lastfahrzeuge, Lieferverker und private Kfz / Car-Sharing werden über einen neuen Straßenarm zu Parkebenen geleitet, welche in das Terrain eingelassen sind und zugleich das Fundament der einzelnen Baufelder und Zonen darstellen. Diese Parkebenen nutzen die Hanglage optimal aus, in dem sie Raum für natürlich belüftete Stellplätze bieten, welche teilweise ebenerdig zugänglich sind. Gleichzeitig bilden sie ein hocheffizientes und unsichtbares Netzwerk für Anlieferung und Warenverteilung innerhalb jeden Teilbereichs, wobei ein Durchgangsverkehr innerhalb des Areals vermieden wird. Im Herzen des Quartiers wird ein neuer Erschließungsweg in Form eines attraktiven „Boulevards“ für Fußgänger und Radfahrer geschaffen, der das Areal im Osten mit dem Bahnhofsgelände verbindet und als Fortsetzung der innerstädtischen Fußgängerachsen zu verstehen ist. Ein neuer Shuttlebus-Loop, Car-Sharing und Bike-Sharing Konzepte ergänzen das Mobilitätskonzept. Am neuen Boulevard mit Nahversorgung, gemeinschaftlich nutzbaren Arbeits- und Erlebnisräumen sowie Cafés / Restaurants entsteht ein für Anwohner und die weitere Nachbarschaft attraktiver Ort mit spezifischer Identität und lokaler Strahlkraft.
Boulevard mit Plätzen und Gärten
Der Torplatz und der Blaue Platz verknüpfen entlang des zentralen Boulevards das Quartier horizontal mit dem Bahnhof, dem Kronenplatz und der Altstadt im Osten und dem Naturraum mit Gemeinschaftsgärten im Westen. Der Boulevard soll in Abstimmung mit der bestehenden Gärtnerei die Liegenschaft sensibel aufweiten und durchdringen und so eine neue fußläufige Verbindung zum Bahnhof schaffen. Nach Norden und Süden verbindet eine grüne Leiterstruktur das Quartier mit den beiden Gewässern Zipfelbach und Buchenbach und diversen Gassen zwischen den Parzellen. Das Element Wasser zieht sich als spielerisches und funktionales Element durch das ganze Quartier. So dient zum Beispiel das Becken am zentralen Blauen Platz als Filteranlage, Retentionsbecken und erholender Mehrwert für Mensch und Natur. Die Fontänen am Torplatz bieten Kindern ein Spektakel zum Verweilen. Gebäudeintegrierte vertikale und horizontale Grünanlagen, urbane Gemeinschaftsgärten und Grünzüge, sowie überwiegend permeable Bepflasterungen fördern zusätzlich urbane Biodiversität und schaffen ein lokales Mikroklima. Der Boulevard vermittelt zwischen städtisch engen und landschaftlich weiten Räumen und diversen Plätzen. Der Torplatz soll als Eingangstor zu dem produktiven Stadtquartier fungieren, aber mit dem Quartiers-Start-Up auch als Initialmodul der Entwicklung als Pionier dienen. Dem Torplatz ist auch ein überdachter Marktplatz angeschlossen, der sowohl als Verkaufsort für lokal produzierte Produkte, als auch flexibler Veranstaltungsort funktioniert und Menschen auch außerhalb des Quartiers anzieht. An das Quartier schließen sich Gemeinschaftsgärten an, die neben der kommerziellen Gemüseproduktion in den Gewächshäusern auch den Anwohnern Zugang zu Gärten ermöglichen.
Entwicklungsstrategie / Phasierung
Das produktive Stadtquartier wird stufenweise realisiert und bildet bereits vor Baubeginn und Entstehung einen attraktiven Freiraum, der temporär oder dauerhaft bespielt und mit diversen Programmen belegt werden kann. Hierbei spielen das Quartiers Start-Up und der überdachte Torplatz eine wichtige Rolle. Ihnen kommt als sozialräumliche Aktivierung des Ortes eine strategische Funktion zu, um die Attraktivität des Ortes mittelfristig zu steigern. Während Gebäude und Infrastrukturen noch in der Entwicklungsphase sind, können Flächen durch Gemeinschaftsgärten und Orte der künstlerischen Begegnung, als Gemeinschaftszentrum und einem Ort für Veranstaltungen dem Quartier Leben injizieren. Hier ergeben sich Möglichkeiten, das Initialmodul als Planungs- und Vermarktungsplatform zu nutzen um die langfristige Entwicklung eines Quartiers schon von Beginn an mit Leben aufzuladen.
Es ist Ziel, einen vielfältigen Ort zu schaffen, mit maximalem Freiraum, der sowohl durchgrünt und zugleich städtisch hochverdichtet und durchmischt ist. Ein produktives Quartier, welches verkehrsberuhigt aber gleichzeitig hoch effizient erschlossen ist. Einen neuen Möglichkeitsraum, der zwischen der Stadt Winnenden und dem Bachtal einer Vielfalt an Lebens- und Arbeitsformen Raum bietet.
